Ganz ehrlich – hast du dir je Gedanken darüber gemacht, was und wieviel du (dir) wert bist?
Ich frage das manchmal in meiner Arbeit mit Menschen und bekomme oft Antworten, die sich auf Leistung oder Besitz beziehen. So haben wir das vielleicht gelernt … „wir sind, was wir leisten“ oder „wir sind, was wir haben“.
Beides hat mit dem Selbstwert nichts zu tun. 

Was ist das eigentlich, dieser Selbstwert? Wie soll man den denn messen, sich selbst beimessen? Nun, dazu hole ich ein wenig aus, denn es ist wichtig, den Begriff in seinem Zusammenhang für unser Leben zu sehen.

Was in dem Wort schon mal drin steckt ist die Selbst-Bewertung. Also der Blick auf einen selbst. Und der ist ja nie losgelöst und neutral objektiv, sondern stets in Relation. Und damit beginnt eine Kettenreaktion. Denn in Relation zu stellen heißt in erster Linie sich zu vergleichen. Und je nachdem, wie der Vergleich ausfällt, entstehen Gefühle. 

Wenn wir von einem stabilen Selbstwert sprechen, ist damit stets das Gefühl zu sich selbst gemeint. „Ich fühle mich sicher, gleichwertig, ich bin mir meiner Stärken bewusst, ich mag mich so wie ich bin!“ – solche Aussagen und Haltungen sprechen für ein gutes Selbstwertgefühl … oder „ich hadere mit mir, schimpfe innerlich, sehe mich als klein und unbedeutend oder lehne mich gar ab in Teilen oder Taten“  – ein Indiz dafür, dass Minderwertigkeitsgefühle und Verunsicherung die Haltungen beeinflussen. 

Wie stark oder gering unser Selbstwertgefühl ausgeprägt ist hat Auswirkungen auf unsere Wahrnehmung des Umfeldes und damit auch auf unsere Handlungen. Es ist mir ein besonderes Anliegen diese Reiz-Wirkungs-Mechanismen bewusst zu machen, denn nur mit bewusstem Umgang können wir alle daran mitwirken, einen anderen, besseren, zugewandteren Umgang miteinander zu finden. Und aus meiner Erfahrung macht das Sinn! Denn WIR – das ist unsere Gesellschaft und wir haben es selbst in der Hand (oder vielmehr dem Hirn), wie unsere Gesellschaft sich entwickelt.

Um es mit den Worten Søren Kierkegaards zu sagen: „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit“. Es ist nicht selten verbreitet, dass Menschen sich weniger wertvoll, schön, schlau oder was auch immer fühlen im Vergleich zu anderen. Daraus entsteht das Gefühl der Benachteiligung und das wiederum führt – unbewusst, also ohne Einschalten einer bewussten Relativierung – zu Neid- und Ohnmachtsgefühlen. Diese Gefühle sind äußerst unangenehm und werden evolutionär getrieben schnellstmöglich eleminiert. Das Gehirn will Stimmigkeit (nennen die Hirnforscher Kohärenz). Die Methodik diese zu erreichen (also wieder Stimmigkeit in der Relation hinzubekommen) sind Kompensationsmechanismen, z. B. Übertreibungen, Arroganz, Klagen, Selbstverletzungen, andere verletzen, den anderen klein machen, sich selbst klein machen, uvm. Unbewusst wird das dringende Bedürfnis den Nachteil auszugleichen zur Triebfeder aller Handlungen: Nur um so wieder auf Augenhöhe – also Gleichmaß – zu kommen. Da die meisten Menschen nicht in Fülle denken, was hieße sich an der Freude des anderen zu erfreuen, wählen sie den entgegen gesetzten Weg: nämlich demjenigen, der – aus ihrer Sicht – mehr hat, dem es besser geht, dieses Gefühl zu schmälern oder gar zu ruinieren, dann entsteht auch wieder Augenhöhe … Grob gesagt verleidet man dem anderen seine Freude, weil eben geteiltes Leid nur halbes Leid ist … In der verschärften Version führen Minderwertigkeitsgefühle (und deren Vermeidung) zu Dauermisstrauen, Abschalten von Empathie mit den Mitmenschen, Rückzug in sichere Gefilde oder Kampfansagen, die sich in Egozentrik „ich, mir, meins“ ausdrücken.

Ein starkes Selbstwertgefühl braucht keine Kompensation, denn der Mensch sieht sich und andere als gleichwertig an – in aller Verschiedenartigkeit. Aus dem Gefühl „ich bin ok“ folgt automatisch ein „Du bist ok“. Menschen mit einem stabilen Selbstwert erkennen die Bedürfnisse, die hinter einem Kompensationsverhalten liegen und können sich selbstsicher auf Augenhöhe bringen … also auch mal kleiner machen um das Gleichmaß herzustellen und damit dem Gegenüber das Gefühl der Sicherheit zu belassen. Und sie geben sich selbst das Gefühl in Sicherheit zu sein. Und wer sich sicher fühlt, braucht nicht zu kämpfen ….

Das Selbstwertgefühl zu trainieren ist nicht schwer, wenngleich eine lebenslange Aufgabe. Und so wertvoll! Für jeden einzelnen und unser Miteinander. Eine zugewandtere Art des Umgangs, ein Mitfühlen und gegenseitiges Unterstützen sind die Folge selbstwertiger und selbstsicherer Gesellschaften. Gute Aussichten!

 

Schritt für Schritt zum starken Selbstwertgefühl:

  1. Sei dir dessen bewusst, egal was du tust, du bist stets wertvoll!
  2. Erkenne deine Selbst-Bewertungen. Die inneren Stimmen geben oft schon deutliche Hinweise. Wie sprichst du mit dir selbst? Verurteilst du dich? 
  3. Die Selbst-Bewertungen und -Verurteilungen rühren aus frühen Prägungen (Elternhaus, Erziehung und vieles mehr) und münden in Überzeugungen, weil sie dir eine wertvolle Strategie war (als Kind). Diese gilt es zu identifizieren und in eine realistische Relation zu setzen. 

    Ideal ist dafür die Zusammenarbeit mit einem Coach, der dir die richtigen Fragen stellt, damit du erkennst woher deine Haltungen stammen und wozu du sie unbewusst gewählt habst.

  1. Mit diesem Wissen gilt es zu guter Letzt innere Überzeugungsarbeit zu leisten, alte Denkmuster und Glaubensätze bewusst durch Realistische zu ergänzen und den Selbst-Bewertungs-Mechanismus der Situation jeweils spezifisch anzupassen.

 

Ich selbst habe den Weg vom Minderwert zum stabilen Selbstwertgefühl beschritten und bin heute froh um die gewonnene Lebensqualität. Der Weg ist nicht schwierig, bedarf aber konsequenter Übung. Und hierfür bietet sich auch die Nutzung eines Dankbarkeitsbuches an. Mich begleitet das tägliche Schreiben seit über 25 Jahren.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.