Dem Mutigen gehört die Welt – so sagt das Sprichwort. In meiner Wahrnehmung gehört dem Mutigen vor allem SEINE Welt oder vielmehr sein LEBEN, denn er steht ein für das was ihm wichtig ist. Beherzt folgt er seinen Wünschen, erfüllt sich Träume und lässt sich nicht entmutigen, wenn Umstände oder seine Umwelt ihn beengen oder einschränken wollen. Der Mutige folgt seinem Herzen und nicht den Gedankenkonstrukten seiner eigenen Befürchtungen oder den Unvorstellbarkeiten der Anderen.

Ich erlebe es beinahe täglich wie sich die Entmutigung im Leben von Menschen auswirkt. Sie trauen sich selbst nicht. Doch ohne Zutrauen gibt es keine Selbstsicherheit. Und wer sich selbst nicht sicher ist, ist anfällig für Einflussnahme von außen. Wie Marionetten zerren die Anforderungen des Umfelds an uns. Wir fühlen uns gelebt, getrieben, ausgeliefert im Funktionieren. Der Versuch wieder Herr des eigenen Handelns zu werden, verschärft sich vielfach in Überorganisation und Kontrollwahn, in dem Lebendigkeit und Individualität ebenso unter die Räder kommt, wie Träume und Wünsche. Alles wird festgehalten, getaktet, geplant, statt sich dem Fluss des Lebens hinzugeben. Das Hamsterrad lässt grüßen! Der Ausstieg aus diesem gelingt nur mit MUT und TUN.

Eine australische Hospiz-Krankenschwester namens Bronnie Ware hat über fünfunddreißig Jahre hinweg Menschen am Sterbebett befragt, was sie bereuen. Nummer 1 der fünf Nennungen ist: „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, MEIN LEBEN zu leben.“

Mich selbst ermutigt diese Aussage jeden Tag aufs Neue mein Handeln zu hinterfragen und mutig auch unpopuläre Entscheidungen für mich und meine Lebensqualität zu fällen. Oft genug gegen meine inneren Befürchtungsszenarien, zumeist jedoch, weil andere mich in ihrer eigenen Vorstellung von Sicherheit festhalten wollen. Ich weiß: will ich ein geglücktes Leben leben, brauche ich den Mut, die Beherztheit für mich und mein Glück einzustehen. Und das funktioniert nur mit dem tief begründeten Wunsch, unbeugsamer Willenskraft, voller Einsatzbereitschaft und vor allem durch TUN. Wie Goethe schon sagte: Es genügt nicht zu wissen, wir müssen auch tun.

Das Trainingsprogramm ist denkbar einfach: ich wähle mir immer wieder bewusst kleine und größere Mutproben. Nimm dir täglich etwas vor, das dir rational betrachtet beinahe unmöglich erscheint. Und dann tu es! Jede Unternehmung, jedes für sich Einstehen  – und sei es noch so klitzeklein – zahlt ein auf den Mutmuskel. Intensiviere die Wirkung durch Dankbarkeit und Stolz. Und mit der Zeit wirst du spüren: Mut tut gut und du gewinnst mehr Glücksgefühle in deinem Leben!

Viele Menschen merken im Laufe ihres Lebens, dass sie mutloser, ängstlicher werden. Das ist ein evolutionäres Programm. Die Natur sieht vor, dass wir bedachter werden je älter wir sind. Es ist also ein Überlebensmechanismus. Nachteilig daran ist, dass sich unser Aktionsradius dadurch deutlich verkleinert. Sind wir als Kinder noch auf Bäume geklettert und auf Ästen balanciert, souffliert uns unsere innere Stimme, je älter wir werden, Worst-Case-Szenarien angesichts der Notwendigkeit von einem Stuhl zu springen. Unsere Muskeln regredieren im Alter, gleichermaßen der Mut-muskel mitsamt unserem Selbstvertrauen und der daraus entstehenden Selbstsicherheit.

Mut – oder synonym Beherztheit – ist nicht nur ein sicherer Weg zu mehr Möglichkeiten, sondern auch die Wegweisung seinem Herzen zu folgen anstelle seiner Ratio. Das Herz zeigt uns die Richtung für Wachstum und Erfüllung. Der Verstand entwirft Befürchtungsszenarien und mahnt zu Sicherheit. Mit Mut wachsen wir, Furcht lässt uns verharren.

Wer zeitig seinen Mutmuskel trainiert, gewinnt an Lebensfülle und erweitert seine Lebensfreude. Garantiert!

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